Kuriositäten im Fondsdepot



Weltweit existieren bereits mehr als 100.000 Investmentfonds. Die Bandbreite der Veranlagungsmöglichkeiten ist so vielfältig wie nie und lässt das renditeverliebte Anlegerherz höherschlagen. Im Lauf der Jahrzehnte hat das stark gestiegene Interesse an dieser Veranlagungsform auch zu so manchen Kuriositäten geführt, die seriösen Marktteilnehmern eher Grund zum Schmunzeln gibt.


Bei einem Investmentfonds wird das Geld von vielen Anlegern durch ein einheitliches Fondsmanagement nach festgelegten Anlagerichtlinien verwaltet. Die Risikostreuung ermöglicht es auch dem wertpapierunerfahrenen Anleger, ganz leicht zum Investor zu werden. Immer mehr Menschen entscheiden sich deshalb, indirekt über Investmentfonds an den interessanten Ertragsperspektiven von Wertpapieren zu partizipieren. Aber Achtung: Manchmal wird unter dem Deckmantel der Hoffnung auf Wertsteigerung Kurioses im Fondsmantel verpackt.


Die jüngste Fondsspezialität, der Horizons Medical Marijuana Life Sciences ETF, wurde von der Investmentfirma Horizons ETFs Management (Canada) Inc. aufgelegt. Dieser konzentriert sich auf Unternehmen, die sich mit den medizinischen Anwendungen von Cannabis beschäftigen. Interessierte Anleger sollten sich vor einem Investment jedoch gründlich über die Firmen und deren Geschäftsentwicklung informieren. Außerdem ist der Erfolg stark an die staatliche Legalisierung von Marihuana gekoppelt. Bei gesetzlichen Änderungen ist zu befürchten, dass sich das Geschäftsmodell samt seinem Grundprodukt umgehend und wortwörtlich in Rauch auflöst.


Wein, Bier oder Cannabis

Im Bereich der flüssigen Luxus- bzw. Konsumgüter hat der Anleger gleich mehrere Auswahlmöglichkeiten. Unter anderem investiert der Spirited Funds/ ETFMG Whiskey and Spirits ETF sehr konzentriert in Whiskey-Unternehmen, wobei die Firma Diageo (Johnnie Walker, Smirnoff, Baileys, Guinness, etc.) ein Viertel des Portfolios ausmacht. Aber auch Bier ist im Angebot. Das Fondsmanagement des Global Beer Fund veranlagt hingegen die Anlegergelder mehrheitlich in Aktien sowie Anleihen börsengelisteter Unternehmen und Fonds, die in direktem oder indirektem Zusammenhang mit der Wertschöpfungskette Bier stehen bzw. zumindest einen Teil ihrer Geschäftsaktivitäten auf dieses Marktsegment ausrichten. Mit dem PureFundsVideo Game Tech ETF lässt sich seit 2016 in Unternehmen veranlagen, die in der Videospielindustrie tätig sind. Dazu gehören Spieleentwickler, Konsolen- und Chip-Anbieter sowie Spielehändler.


Rendite mit Lastern

Wer sich aber auf kein einzelnes Laster festlegen will, der investiert in den Barrier Fund - vormals USA Mutuals Vice Fund (deutsch: Laster-Fonds) von USA Mutuals, welcher 2002 aufgelegt wurde und ausschließlich in die Sparten Alkohol, Zigaretten, Glücksspiel und Rüstungsindustrie investiert. Dass das Medieninteresse angesichts dieser Veranlagungsstrategie hoch ist, versteht sich von selbst und schadet dem Einsammeln von Anlegergeldern in keinster Weise. Ähnlich der mittlerweile geschlossene Prosperia Mephisto 1, mit dem man sich eine überdurchschnittliche Rendite aus den sieben Todsünden erwartete: Alkohol und Zigaretten für Völlerei, Luxus für Hochmut und Neid, Glücksspiel für Trägheit, die Rüstungsindustrie für Zorn, die Finanzindustrie für Geiz und Erwachsenenunterhaltung für Wollust. Getreu dem Motto: "Wer frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein." Aber keine Angst - nicht nur Verderbtheit herrscht an der Börse. Mit dem Ave Maria Catholic Values Fund, der es mit der Bibel ganz genau nimmt, wird ausschließlich auf Aktien von Unternehmen gesetzt, die "die Kernwerte und Lehren der römisch-katholischen Kirche nicht verletzen".


Auch für Anleger mit regionalen Vorlieben lässt sich das eine oder andere Fonds-Schmankerl herauspicken. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Fonds, dessen geographischer Fokus auf Unternehmen einer einzigen Stadt liegt - Nashville, die Hauptstadt des US-Bundesstaates Tennessee? Mit dem Nashville Area ETF lässt sich diese Idee seit dem Jahr 2013 umsetzen. Laut dem Anbieter kann der Investor von Nashvilles dynamischen Unternehmen profitieren. Mit dem Knowledge One Fonds konnte man Investitionen in der Wissensindustrie, wie Bildung, Humankapital, Knowledge Management Software, Forschung, tätigen. Durch Umschichtungen zwischen den Wissensbranchen könne sich der Fonds gezielt auf die jeweilige Konjunkturphase einstellen und ergäbe für den Anleger stets ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis, so hieß es. Der Fonds erwies sich allerdings als Eintagsfliege und existierte nur ca. 3,5 Jahre.


Kaum Zulassungen in Österreich

Die Liste der außergewöhnlichen Produkte ließe sich durch Fisch-, Düngemittel-, Mais-, Smartphone-, Casino-, Wein-, Kunst-Fonds, etc. noch beliebig erweitern. Die Zulassung in Österreich oder Deutschland bzw. die Bereitstellung der steuerlich relevanten Daten für die Fonds fehlt allerdings bei vielen Produkten.


Viele dieser Fonds sind extreme Nischenprodukte, lassen hinsichtlich der Risikostreuung naturgemäß zu wünschen übrig und sind in ihrer Kostenstruktur durchaus anlegerunfreundlich. Auch wenn die eine oder andere kuriose Idee sich tatsächlich zu einer lukrativen Geldanlage entwickeln sollte, bleibt die Schoellerbank ihrem seit vielen Jahren bewährten Grundsatz "Investieren statt Spekulieren" treu.

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