AktienRating Wirtschaftszyklen und ihr Einfluss auf Unternehmen



In der Regel besteht ein Konjunkturzyklus aus vier Phasen: dem Aufschwung, dem Boom, dem Abschwung und der Rezession. Diese Phasen üben einen unterschiedlich starken Einfluss auf Branchen und Unternehmen aus. Die aktuelle wirtschaftliche Lage spielt eine große Rolle dabei, ob ein Unternehmen seine Gewinne erhöhen kann oder ob es stattdessen sogar Verluste hinnehmen muss - mit entsprechenden Auswirkungen auf den jeweiligen Aktienkurs. Die jüngsten Kursentwicklungen an den internationalen Aktienmärkten - ausgelöst durch den unerwarteten Ausgang der US-Präsidentenwahl - spiegeln dieses Phänomen gut wider.


Es zeigt sich, dass- mit Ausnahme der stärksten Branche Finanzwesen - sich Sektoren wie Telekommunikation, Industrie, Energie, Rohstoffe und Nicht-Basiskonsum die zyklischen Branchen am besten entwickelt haben. Zu diesen zählen jene Unternehmen, deren Geschäftsgang traditionell mit den Konjunkturzyklen verläuft. Konkret haben die angekündigten Maßnahmen des neuen mächtigsten Mannes der Welt dafür gesorgt, dass Anleger gegenwärtig verstärkt Interesse für diese Sektoren zeigen.


Einem globalen Abschwung kann man sich kaum entziehen

Eine komplette Entkoppelung vom globalen Wirtschaftszyklus ist ein schier unmögliches Unterfangen, insbesondere wenn ein Konzern eine gewisse Größe erreicht hat und deshalb länderübergreifend tätig ist. Die Globalisierung hat den Expansionsdrang der Unternehmen gefördert und zur Erschließung neuer Märkte beigetragen. Zwar können lokale Schwächeanfälle durch Aktivitäten in aufstrebenden Regionen kompensiert werden, einem globalen Abschwung wird sich aber ein weltweit tätiges Unternehmen nicht entziehen können. Dennoch gibt es in diesen Phasen erhebliche Unterschiede, was die Qualität von Unternehmen bzw. die Kontinuität ihrer Wirtschaftsleistung angeht. Es werden vor allem diejenigen Unternehmen überzeugen, deren Produkte nur schwer zu ersetzen bzw. im täglichen Leben unabdingbar sind. Auf der anderen Seite werden zyklische Industrien mit erheblich größeren Schwierigkeiten in Form von Auftragsrückgängen zu kämpfen haben. Dabei trifft es vor allem Unternehmen, die langlebige, teure Wirtschaftsgüter herstellen, deren Neuanschaffung unter Umständen von den Abnehmern verzögert werden kann.


Dem Aufschwung folgt eine Abwärtsbewegung

Keine Frage, dass diese Unternehmen bei einem weltweiten Konjunkturaufschwung überdurchschnittliche Renditen erzielen können, wovon für gewöhnlich auch der zugehörige Aktienkurs profitieren kann. Dieses zwischenzeitliche Comeback der "Zykliker" ist aber nicht von Dauer, sondern es handelt sich in der Regel lediglich um eine zeitlich begrenzte Aufwärtsbewegung, die anschließend wieder von einer Kurskorrektur abgelöst wird. Dadurch ist es für diese kaum möglich, langfristig stabiles Wachstum aufzuweisen und für den Investor einen kontinuierlichen Mehrwert zu erwirtschaften. Ein gutes Beispiel stellt die Automobilindustrie dar, wo sich diese Entwicklung in der Bilanz durch eine hohe Kapitalintensität und erhöhte Fremdkapitalquote äußert.



Suche nach zyklusunabhängigen Branchen

Der Ansatz der Schoellerbank ist es, in qualitativ hochwertige Unternehmen aus Bereichen mit nachhaltigem und wenig zyklischem Wachstum zu investieren. Nahrungsmittel und Medikamente werden auch in schwächeren Konjunkturphasen benötigt, ein Autokauf zum Beispiel kann jedoch zeitlich aufgeschoben werden. Auch in Zukunft wird es immer wieder Phasen geben, in denen mit Aktien zyklischer Unternehmen Geld verdient werden kann. Nur ist eine Periode von mehreren Monaten für den langfristigen Anlageerfolg nicht ausschlaggebend und der richtige Ein- bzw. Ausstiegszeitpunkt fast unmöglich zu bestimmen. Dieses Qualitätsmerkmal im Rahmen des Schoellerbank AktienRatings ist zwar nicht zwingend zu erfüllen. Jedoch spricht es für das Geschäftsmodell, wenn es einem analysierten Unternehmen gelingt, auch in wirtschaftlich schwächeren Phasen kaum Umsatzrückgänge zu verzeichnen, stabile Geschäftserfolge zu erzielen oder sogar auszubauen. Unabhängig davon gilt es auch zukünftiges Wachstumspotenzial zu heben.


Ein Artikel von Mag. (FH) Akhil Dhawan, Portfoliomanager/Asset Management

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