Sparen lohnt sich - nur nicht am Sparbuch - Analysebrief 309

  • "Spare in der Zeit, dann hast du in der Not" - Sparen als sinnvolle Tugend
  • Trotz Niedrigzinsen veranlagen die Österreicher weiterhin enorm viel Kapital in täglich fälligen Einlagen
  • Das Sparbuch - Wertverlust inklusive (auch schon in der Vergangenheit)
  • Liquiditätsplanung als wichtige Entscheidungsgrundlage für die "eiserne Reserve"

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Schoellerbank Analysebrief Nr. 309460 KB

Sparen als grundsätzlich sinnvolle Tugend

"Spare in der Zeit, dann hast du in der Not" oder "Sparen ist eine Tugend", so lauten gängige Sprichwörter aus dem Volksmund. Und er hat damit auch recht, denn grundsätzlich ist Sparen natürlich eine wertvolle Tugend. Geld wird zur Seite gelegt, um das Kapital irgendwann in naher oder ferner Zukunft zu verwenden - sei es für Anschaffungen, wie beispielsweise der Kauf eines neuen Autos, oder in späterer Folge zur Aufbesserung der erwarteten Pensionszahlung. Spätestens nach dem Erhalt des letzten Pensionsbescheids, ist das künftige (niedrige) gesetzliche Pensionseinkommen für viele Österreicher zur erschreckenden Gewissheit geworden.

Doch kaum jemand dürfte sich über eine wirklich sinnvolle Art des Sparens Gedanken machen. Eine aktuelle Auswertung der Österreichischen Nationalbank vom Juni 2016 weist täglich fällige Gelder, Bargeld und sonstige Einlagen als die beliebtesten Sparformen der Österreicher aus (siehe Grafik auf Seite 2). Börsennotierte Aktien, Investmentzertifikate oder gar verzinsliche Wertpapiere stehen dagegen deutlich im Hintergrund. Daraus kann geschlossen werden, dass die Mehrheit der österreichischen Sparer nicht über die sinnvolle Geldanlage informiert ist, das vermeintliche Risiko scheut und daher verstärkt auf Einlagen setzt.
Doch macht es Sinn, das gesparte Vermögen zu so einem großen Teil in täglich fällige Einlagen oder Spar(buch)guthaben zu veranlagen? Und ist der reale Wertverlust dieser Sparformen die relative Sicherheit wirklich wert?

Trotz Niedrigzinsen: enorm viel Kapital in täglich fälligen Einlagen

Bei der Betrachtung des Sparverhaltens der Österreicher ist erkennbar, dass derzeit rund EUR 230 Mrd. in Spareinlagen veranlagt sind (siehe Grafik auf Seite 3). Dies bringt aktuell zwar keine oder eine lediglich sehr geringe Rendite, ist jedoch auch jederzeit verfügbar, grundsätzlich risikoarm und daher nicht wertschwankungssensitiv. Auch wenn das klassische Sparbuch hohe Sicherheit vermittelt, werden die Zinssätze im Bankenvergleich vielfach sehr emotional diskutiert. Speziell in den letzten Jahren, in denen die Zinsen stetig gesunken sind, ist unter einigen Instituten beinahe ein Wettstreit rund um die Zinssätze entbrannt.
Für viele Sparbuchsparer ist dies trotzdem keine sehr erfreuliche Situation, da sie laufend mit immer geringeren Zinsen konfrontiert werden. Zudem stößt die aktuelle Zinslage bei Sparern auf Unverständnis: "die Bank gibt keine Zinsen mehr her" - die Anlagewelt ist aus den Fugen geraten. Bei der Bewerbung des Sparbuchs wird - neben der gesetzlichen Einlagensicherung von Sparguthaben bis EUR 100.000 pro Institut - weiterhin auf das Zugpferd Sicherheit bzw. Kapitalerhalt gesetzt. Kein Sparer hat demnach am Sparbuch jemals Geld verloren und dies über Jahrzehnte hinweg. Doch bei genauer Betrachtung hält dieses Versprechen des Werterhalts nicht ganz stand.

Das Sparbuch - Wertverlust inklusive (auch schon in der Vergangenheit)

So wie in zahlreichen Werbeaussendungen das Sparbuch als sichere Anlageform gepriesen wird, genau so sicher ist aktuell auch der Wertverlust dieser Anlageform. Zwar wird das Kapital bei der Bank des Vertrauens nominell sicher verwahrt und generiert bestenfalls sogar Minizinsen, berücksichtigt man jedoch die Kapitalertragssteuer von 25%, dann bleibt dem Sparer im aktuellen Zinsniveau so gut wie kein Wertzuwachs übrig. Viel dramatischer wird es, wenn vom Nettozins auch noch die aktuelle Inflationsrate abgezogen wird. Denn zumindest der reale Kapitalerhalt - sprich der Erhalt der Kaufkraft - sollte bei der Veranlagung sichergestellt sein. Dies gilt vor allem für eine längerfristige Betrachtungsweise, da sich über 10 bis 20 Jahre auch eine relativ geringe Inflation von beispielsweise 2% p.a. stark auswirkt.
Wie die Darstellung der Österreichischen Nationalbank auf Seite 4 zeigt, ist dieses Wertverlust-Dilemma keine Ausnahmeerscheinung des aktuellen Zinsumfelds, sondern trat bereits während der letzten Jahrzehnte immer wieder auf. Bei der Gegenüberstellung der nominellen Zinsen seit dem Jahr 1960 und den jeweiligen Inflationsraten ist erkennbar, dass es nur in sehr wenigen Jahren möglich gewesen ist, mit Spareinlagen einen realen Vermögenserhalt zu schaffen - die Kapitalertragssteuer wurde bei dieser Darstellung noch gar nicht berücksichtigt. Anders ausgedrückt heißt das, dass Spareinlagen nach Steuern und Inflation so gut wie immer einen realen Vermögensverlust mit sich gebracht haben. Und das nicht erst seit dem Verfall der Zinssätze, sondern schon seit Jahrzehnten. Nur aufgrund der vergleichsweise hohen nominellen Zinsen, war dies in der Vergangenheit jedoch für viele Anleger wenig spürbar.

Liquiditätsplanung als wichtige Entscheidungsgrundlage für die "eiserne Reserve"

Was also tun, um das verfügbare Kapital sinnvoll anzusparen? Im Grunde gibt es hier keine Pauschallösung. Viel wichtiger ist es in diesem Zusammenhang, die notwendigen aktuellen und geplanten Ausgaben zu berücksichtigen. Demgegenüber sollten die planbaren Einnahmen (beispielsweise das Einkommen aus nichtselbständiger Arbeit oder Vermietungseinkünfte) stehen. So kann eine professionelle Liquiditätsplanung erfolgen. Aus dieser Liquiditätsplanung ist einerseits das Sparpotenzial erkennbar und andererseits auch die Fristigkeit der geplanten Ausgaben bzw. Anschaffungen. Da auch dem Vorsorgegedanken genüge getan werden sollte, empfiehlt es sich allemal ein täglich fälliges Sparguthaben zu halten. Immerhin kann jederzeit Liquidität, z. B. für eine spontane Anschaffung, notwendig werden. Dieses täglich fällige Sparguthaben sollte sich jedoch an den Lebenshaltungskosten orientieren, denn für den Fall der Einkommens- bzw. Arbeitslosigkeit müsste auch dieser "Notgroschen" verfügbar sein. Ist diese Sparreserve definiert, so kann das restliche Kapital längerfristig gebunden werden. Dies ermöglicht eine lohnende Anlage, die im besten Fall nach Steuern auch die aktuelle Inflation übersteigt. Wie diese Veranlagung konkret erfolgen soll, sollte mit dem Berater des Vertrauens besprochen werden. Ein breiter Mix aus verschiedenen Anlageformen hat sich dabei in der Vergangenheit oftmals bewährt.
Wertpapierinvestments sollten jedenfalls auch in die Überlegungen eingebunden werden. Insbesondere Fondssparpläne oder kontinuierliche Wertpapierinvestments sind auch für risikosensitive Sparer attraktiv. Denn innerhalb der Wertpapieranlageklasse - egal ob Anleihefonds, gemischte Fonds oder Aktienfonds - kann die Risikokomponente sehr individuell angepasst werden. Zudem sind Wertpapiere grundsätzlich sehr liquide, da es dafür jederzeit einen marktadäquaten Kurs und damit eine Veräußerungsmöglichkeit gibt. Ebenso können kapitalbildende Versicherungslösungen in Betracht gezogen werden, da hier die Veranlagung innerhalb der Versicherung steueroptimiert erfolgt. Jedoch weniger im klassischen Bereich einer Lebensversicherung - bei der aktuell ein Garantiezins von 0,5% angeboten wird - sondern eher in fondsgebundenen Versicherungslösungen. Wichtig ist hierbei jedoch die konkrete Ausgestaltung der Kosten. Bei vielen Tarifen kommt der Steuervorteil einer Versicherungsanlage aufgrund der Kosten nicht, oder nur marginal beim Anleger an. Des Weiteren gibt es auch zahlreiche andere Ansparmöglichkeiten (Bausparvertrag, Goldsparplan etc.), bei denen allerdings im Vorfeld genau geprüft werden sollte, ob das angesparte Kapital auch wirklich den Risikoerwartungen entspricht und zur persönlichen Vermögensstruktur passt.

Fazit

Auch wenn Sparen eine sinnvolle Tugend ist um Vermögen aufzubauen, so muss für den tatsächlichen Wertzuwachs jedenfalls die richtige Sparform gewählt werden. Täglich fällige Spareinlagen können - und das hat die Vergangenheit schon so gut wie immer gezeigt - langfristig nicht einmal den realen Kaufkrafterhalt sicherstellen. Ein fundierter Vermögensaufbau beginnt mit einer professionellen Liquiditätsplanung. Daraus kann abgeleitet werden, wie hoch die "eiserne Reserve" dotiert und welche Fristigkeiten berücksichtigt werden müssen. Zur darüberhinausgehenden Geldanlage ist ein optimaler Veranlagungsmix, der die persönlichen Wünsche und Ziele berücksichtigt, essenziell. Idealerweise können die hohen Sicherheitsbedürfnisse risikosensitiver Sparer dabei von Wertpapiersparplänen oder Versicherungslösungen abgedeckt werden. Wichtig ist hierbei jedoch, die Kostenstruktur und den Sparzeitraum in Relation zur Gesamtlaufzeit eingehend zu prüfen. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass der Ertrag auch tatsächlich beim Sparer ankommt. Das Sparbuch hat zur Anlage des "Notgroschen" nach wie vor seine Berechtigung - für einen realen Wertzuwachs müssen jedoch geeignetere Anlageformen gesucht werden.
Autor:
Mag. (FH) Norbert Prenner, CFP®, EFA®, CFEP®
Head of Financial Planning & Specific Investments
Schoellerbank AG
Tel.: +43/662/86 84-2393
5020 Salzburg, Sterneckstraße 5
norbert.prenner@schoellerbank.at
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Pressesprecher
Schoellerbank AG
Tel. +43/1/534 71-2950
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Die Schoellerbank, gegründet 1833, ist eine der führenden Privatbanken Österreichs, die als Spezialist für anspruchsvolle Vermögensanlage gilt. Sie konzentriert sich auf die Kernkompetenzen Vermögensanlageberatung, Vermögensverwaltung und Vorsorgemanagement. Ihre Anlagephilosophie definiert sich über das Motto "Investieren statt Spekulieren". Die Schoellerbank ist mit 10 Standorten und 317 Mitarbeitern die einzige österreichweit vertretene Privatbank. Sie verwaltet für private und institutionelle Anleger ein Vermögen von mehr als 11 Milliarden Euro. Die Schoellerbank ist eine 100%ige Tochter der UniCredit Bank Austria.
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