Zurück zum Start: Das verlorene Jahrzehnt der Fondsbranche - Analysebrief Nr. 315

  • Bis zur Finanzkrise schrieben heimische KAGs eine Erfolgsstory mit hohen Wachstumsraten
  • Seit 2007 stagniert das Volumen österreichischer Investmentfonds
  • Worin liegen die Ursachen für dieses "verlorene Jahrzehnt"?
  • Das niedrige Zinsniveau hat nicht zur "großen Rotation" im Anlegerverhalten geführt
  • Hier muss die Fondsindustrie lerneni

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Beeindruckende Entwicklung bis zum Jahr 2007

Ein oberflächlicher Blick auf die Volumensentwicklung der österreichischen Wertpapierfonds vermittelt zunächst den Eindruck einer überaus erfolgreichen Branche: In den letzten 30 Jahren errechnet sich eine jährliche Steigerungsrate von etwa 15 Prozent. Das insgesamt verwaltete Vermögen vervielfachte sich in diesem Zeitraum von ursprünglich 2,62 Mrd. auf 167,1 Mrd. Euro (Stand: 12/2016).

Quelle: VÖIG bzw. OeKB

Bei genauerer Betrachtung wird allerdings eines rasch deutlich: Während die heimischen Wertpapier-KAGs bis ins Jahr 2006 kräftig zulegen konnten, sieht die Welt seit der Finanzkrise 2007 anders aus. Ab diesem Zeitpunkt war per saldo kein Zuwachs beim verwalteten Fondsvermögen mehr zu beobachten. Was sind nun die Gründe dafür - lag es nur an den performancebedingten Einbrüchen in Folge des Lehman-Debakels und der damit bis heute verbundenen Verunsicherung der Investoren - oder steckt doch mehr dahinter?

Kein Zuwachs im letzten Jahrzehnt

Bei der genauen Ursachenanalyse für die Stagnation ergibt sich ein interessantes Bild. Während in diesem Zeitraum performancebedingte Volumensveränderungen - vermindert um erfolgte Ausschüttungen - in Summe mit 12,47 Mrd. Euro (+7,45%) positiv zur Volumensentwicklung beigetragen haben, sind auf Nettomittelrückgänge - 12,71 Mrd. Euro (-7,59%) zurückzuführen. Oder anders ausgedrückt: Anleger haben per saldo Anteile im Wert von knapp 13 Mrd. an die Fondsgesellschaften zurückgegeben. Eine Erkenntnis, die doch Anlass zu weiteren Analysen geben sollte.

Volumensrückgänge bei Publikumsfonds

Bei vertiefender Analyse wird offensichtlich, dass vor allem ein Teil der Privatanleger mit ihrer Fondsveranlagung unzufrieden war. Während für diese Investorengruppe per Ende 2006 noch Fondsanteile im Wert von 86 Mrd. Euro verwaltet wurden, verringerte sich dieser Betrag im letzten Jahrzehnt auf 73 Mrd. Euro. Demgegenüber stieg das Vermögen der institutionellen Fonds (Großanleger- bzw. Spezialfonds) gleichzeitig um rund 13 Mrd. auf 93 Mrd. Euro an.

Quelle: VÖIG bzw. OeKB

Vom Sparer zum Wertpapier-Investor - bislang kein Trend in Österreich!

Aus diesen Zahlen lässt sich jedenfalls Folgendes ableiten: Das strategische Ziel der Fondsindustrie, Inhabern von Sparbüchern bzw. Termineinlagen sukzessive den ertragsmäßig aussichtsreicheren Wertpapierbereich schmackhaft zu machen, ist vorerst gescheitert. Abschreckend ausgewirkt haben sich dabei sicherlich in Einzelfällen auch schlechte Erfahrungen privater Anleger im Gefolge der "Lehman-Krise". So dürften zaghafte Erstversuche mit Investmentfonds zu negativen Performance-Erfahrungen geführt haben, die zum Teil wohl auch durch die von einzelnen Fondsmanagern gewählten Investmentvehikel bedingt waren (z. B. problematische Asset Backed Securities-Strukturen in geldmarktnahen Fonds).


Faktum ist, dass so mancher Anleger reumütig wieder zu seinem "langweiligen" Sparbuch zurückgekehrt ist und damit zugunsten der Sicherheit langfristig erhebliche Kaufkraftverluste akzeptiert.

Die "große Rotation" ist bislang ausgeblieben

Zusätzlich eher negative Effekte dürfte das tiefe Zinsniveau für die Fondsindustrie gebracht haben. Obwohl auch klassische Euro-Anleihenfonds, die auf gute Bonitäten setzen, bislang noch eine durchaus herzeigbare Wertentwicklung zu verbuchen hatten, ist der Anreiz für Neuveranlagungen in diesem Bereich naturgemäß überschaubar. Dies umso mehr, als die kurz- bzw. mittelfristigen Ertragsaussichten hier recht begrenzt sind. Ein merkbarer Schwenk der Anleger hin zu Anleihenfonds mit einem breiteren Anlageuniversum, die beispielsweise auf Fremdwährungen setzen und somit von Wechselkursgewinnen profitieren können, ist bis dato kaum feststellbar.
Ganz ohne Auswirkungen blieb die geänderte Zinslandschaft auf die von den österreichischen KAG verwalteten Fonds jedenfalls nicht. So verringerte sich der Anteil der Geldmarktfonds in den zurückliegenden zehn Jahren massiv (von knapp 7% auf aktuell nahezu 0%), auch Anleihenfonds gingen in ihrer Bedeutung etwas zurück (von 44% auf 42%). Interessant ist ebenso die Tatsache, dass Fonds-Anleger nun in reinen Aktienfonds etwas geringer veranlagt sind, als noch vor zehn Jahren (15% im Vergleich zu 18%). Dagegen waren im Segment der der gemischten Fonds kräftige Zuflüsse zu verzeichnen - auf diese entfallen bereits fast 43% des gesamten Fondsvolumens.
Dennoch ist die "große Rotation" ausgeblieben, also der Ersatz von festverzinslichen Titeln bzw. Geldmarktveranlagungen durch Aktien(fonds). Soweit Anleger hier durch Umschichtungen oder Neuveranlagungen tätig geworden sind, waren es zumeist andere Asset-Klassen, auf welche die Wahl fiel.

Mittelzufluss in Richtung Sachanlagen - Immobilien, Immobilienfonds, Gold etc.

Auf der Suche nach langfristig sicherer und einigermaßen ertragreicher Geldveranlagung sind viele private Investoren auf die (teilweise vermeintlichen) Vorzüge von Sachanlagen gestoßen. Hier punkten derzeit vor allem (Vorsorge)-Immobilien, offene Immobilienfonds und auch Gold. Zunehmendes Misstrauen in die Finanzindustrie hat diesen Trend gefördert und dazu geführt, dass die Risiken und Nachteile derartiger Veranlagungen mancherorts vermutlich auch zu wenig Berücksichtigung finden. Tatsache ist, dass sich diese Asset-Klasse beachtlicher Mittelzuflüsse erfreut hat.

Quelle: VÖIG bzw. OeKB

Alleine das relativ junge Segment der österreichischen Immobilienfonds konnte in den letzten zehn Jahren Neu-Investments im Ausmaß von fast 5,2 Mrd. Euro für sich verbuchen und verwaltet damit ein mehr als viermal so hohes Vermögen wie Ende 2006.

Exchange Traded Funds finden guten Absatz

Ausgehend von den USA entscheidet sich eine immer größere Anzahl an Anlegern auch in Europa und damit in Österreich für Exchange Traded Funds (ETF) bzw. passive Veranlagungsinstrumente, die einen Index abbilden ohne den Anspruch aufzuweisen, besser zu sein, als der Markt. Diese Anlagevehikel stellen insbesondere eine Bedrohung für jene Fonds dar, die zwar die Gebührenstruktur von aktiven Fonds aufweisen, de facto aber in der gewählten Anlagestruktur kaum Abweichungen von der Benchmark aufweisen. Ohne hier auf die Nachteile von ETFs im Detail näher einzugehen kann jedenfalls festgehalten werden, dass damit ein Anleger konstruktionsbedingt automatisch gerade jene Titel am höchsten in seinem Depot gewichtet, die am teuersten bewertet - also tendenziell am unattraktivsten - sind. Die in der Regel vorhandenen Kostenvorteile dieser Produktgruppe scheinen aber für zahlreiche Anleger hier den Ausschlag für ein Investment zu geben und dazu führen, sich mit etwaigen Risiken weniger zu beschäftigen.

Lehren für die Fondsbranche

Welche Erkenntnisse können nun für die Branche der Wertpapierfonds aus den oben dargestellten Zahlen abgeleitet werden? Das langfristige Ziel muss mit Sicherheit weiterhin darin bestehen, einem größeren Anlegerkreis die Vorteile von Wertpapierveranlagungen bewusst zu machen. Herr und Frau Österreicher leiden zwar unter den niedrigen Veranlagungszinsen und dem damit verbundenen Kaufkraftverlust, der Erwerb von Aktien(fonds) ist aber für viele dennoch nach wie vor kein Thema. Hier wäre es hilfreich, wenn Beteiligungspapiere auch seitens der Politik größere Wertschätzung erfahren würden. Bei richtigem Einsatz ermöglichen gerade erstklassige Aktien(fonds) jenen langfristigen privaten Vermögensaufbau, der zum Schließen der Lücken der staatlichen Pension unverzichtbar erscheint.


Auch die Vorteile aktiv gemanagter Investmentfonds müssen stärker bekannt gemacht werden. Exchange Traded Funds werden dafür sorgen, dass benchmarknahe geführte Fonds mit einer unangemessenen Spesenbelastung vom Markt verschwinden. Jede Fondsgesellschaft ist gut beraten, die eigene Produktpalette dahingehend einer genauen Prüfung zu unterziehen. Nur für echt aktives Management und den damit verbundenen Mehrwert, können entsprechende Gebühren verrechnet werden. Langfristig werden nur die effizientesten Produkte Bestand haben, also im konkreten Fall jene Fonds, welche die Kundenbedürfnisse am besten erfüllen bzw. sich geänderten Marktbedingungen bestmöglich anpassen können. In diesem Sinne gilt das evolutionäre Prinzip ("survival of the fittest") auch in der Fondsindustrie.


Die oben dargestellten Gesamtzahlen des über die letzten zehn Jahre stagnierenden österreichischen Fondsmarktes vermitteln freilich ein vereinfachtes Bild. Einzelne Kapitalanlagegesellschaften konnten in diesem Zeitraum erhebliche Mittelzuflüsse verbuchen. Diesen KAGs ist es offenbar gelungen, durch gute Performanceleistungen sowie eine durchdachte und konsequent umgesetzte Strategie Vertrauen zu bestehenden Anteilinhabern aus- sowie aufzubauen und Neukunden zu gewinnen. Zu diesen erfolgreichen Gesellschaften zählt auch die Schoellerbank Invest AG, die im zurückliegenden Jahrzehnt das verwaltete Fondsvermögen allein durch organisches Wachstum um mehr als 87% steigern konnte.

Autor:
Mag. Michael Schützinger
Vorstand
Schoellerbank Invest AG
Tel. +43/662/88 55 11-2654


Rückfragen bitte auch an:
Marcus Hirschvogl, BA
Pressesprecher
Schoellerbank AG
Tel. +43/1/534 71-2950
1010 Wien, Renngasse 3

Die Schoellerbank, gegründet 1833, ist eine der führenden Privatbanken Österreichs, die als Spezialist für anspruchsvolle Vermögensanlage gilt. Sie konzentriert sich auf die Kernkompetenzen Vermögensanlageberatung, Vermögensverwaltung und Vorsorgemanagement. Ihre Anlagephilosophie definiert sich über das Motto "Investieren statt Spekulieren". Die Schoellerbank ist mit 10 Standorten und 317 Mitarbeitern die einzige österreichweit vertretene Privatbank. Sie verwaltet für private und institutionelle Anleger ein Vermögen von mehr als 11 Milliarden Euro. Die Schoellerbank ist eine 100%ige Tochter der UniCredit Bank Austria.

Mehr Informationen unter: www.schoellerbank.at

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