Nachhaltige Geldanlage: ESG heute noch freiwillig, bald schon verpflichtend? - Analysebrief Nr. 368

  • Nachhaltige Geldanlage hat die Nische verlassen und steht vermutlich dennoch erst am Anfang einer großen ökologischen Bewegung
  • Volumen der ESG-Produkte wächst überaus dynamisch: Europäer sorgen sich nicht nur um die Umwelt, sondern setzen auch vermehrt auf nachhaltige Veranlagungen
  • Es gibt keine offiziell festgelegten Regeln für nachhaltige Investments. Das macht die Produkte für Anleger nur schwer vergleichbar
  • Themen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung werden zu Ratingzwecken derzeit unter dem Überbegriff ESG gebündelt (Environmental, Social and Governance)
  • FinAnKo: Österreichische Bischofskonferenz hat eigene Vorgaben gemacht, wie das Geld der zugehörigen Einrichtungen zu veranlagen ist - dabei hat man die ESG-Kriterien detailliert festgelegt
  • Die Europäische Union möchte das Thema Nachhaltigkeit weiter vorantreiben und wird bestrebt sein, über die nächsten Jahre einheitliche Richtlinien zu schaffen

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Schoellerbank Analysebrief Nr. 368224 KB

Raus aus der Nische

Über die Jahre wurde aus dem Öko-Eck im Supermarkt eine komplette Abteilung voll mit Lebensmitteln, welche unter ökologisch-nachhaltigen Gesichtspunkten produziert werden. Zweifelsohne hat das Thema Nachhaltigkeit die Nische verlassen und ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Auch an den Börsen ist der Trend für nachhaltige Veranlagungen erkennbar. Anleger sollten jedoch vorsichtig sein, da der Begriff Nachhaltigkeit keiner einheitlichen Definition unterliegt. Nicht überall wo Nachhaltigkeit draufsteht, ist also auch tatsächlich nur Nachhaltiges drin. Eine beliebte Variante ist Anlageprodukte als nachhaltig zu deklarieren, die lediglich über eine teilweise Beimischung nachhaltiger Titel verfügen. Anleger, die an ethischen oder nachhaltigen Investments interessiert sind, sollten sich jedoch nur mit sortenreinen und transparenten Lösungen zufriedengeben. Was aber verbirgt sich hinter den Begriffen Nachhaltigkeit und Ethik tatsächlich?


Nachhaltigkeit
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat Nachhaltigkeit folgendermaßen definiert: "Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen". Diese Punkte wurden in der Folgezeit unter dem Überbegriff ESG (Environmental, Social and Governance) gebündelt. Übersetzt bedeutet dies, dass die Themen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung auf dem Prüfstand stehen und von den Nachhaltigkeitsratingagenturen genaustens unter die Lupe genommen werden.


Ethik
Eine tatsächliche Nische im Universum der nachhaltigen Anlagen stellen ethische Investments dar. Hier wird in der Regel mit Ausschlusskriterien gearbeitet. Humanität, Solidarität und Verantwortung sind die zentralen Werte, wobei die Folgen wirtschaftlichen Handelns auf andere Menschen und die Umwelt einer Rechtfertigung unterzogen werden. Was daher von ethischen Ratingagenturen oftmals ausgeschlossen wird, sind Unternehmen, die in den Bereichen Kernenergie, Genmanipulation, Alkohol, Verhütung, Pornographie, Glücksspiel, Tabak und Militär tätig sind.

ESG-Kriterien im Überblick

Quelle: eigene Darstellung

Ein Restrisiko bleibt
Bei der Bewertung nach ethischen Gesichtspunkten müssen aber auch Abstriche gemacht werden. Große Konzerne können selbstverständlich nicht zu 100% auf ethisches Handeln in der Praxis geprüft werden. Auch individuelles Fehlverhalten wird aufgrund der Anzahl an Beteiligten von den Prüfern wohl unbemerkt bleiben. Daher verwundert es nicht, dass sich die Ratingagenturen meist einen Puffer von mehreren Prozentpunkten offenlassen, um nicht Gefahr zu laufen, ein Unternehmen als ethisch korrekt einzustufen, bei dem unter Umständen gewisse Bereiche nicht den geforderten Auflagen der Nachhaltigkeit entsprechen. Insgesamt ist das als eine reine Vorsichtmaßnahme zu bewerten.
Darum prüfe, wer sich bindet


Darüber hinaus gibt es allerdings meist noch schwerwiegendere Kritikpunkte, die in Diskussionen rund um das Thema Nachhaltigkeit angeführt werden. Warum gibt es unterschiedliche Aussagen darüber, ob ein Unternehmen "nachhaltig" ist oder nicht? Hierzu muss darauf hingewiesen werden, dass es keine offizielle Richtlinie für Nachhaltigkeit gibt. Es liegt im Ermessen der jeweiligen Ratingagentur, ob sie einem Unternehmen eine nachhaltige Auszeichnung verleiht oder nicht. Dabei kommt es durchaus auch auf die angewandte Ratingmethode an.


Es gibt Agenturen, die nur öffentlich zugängliche Informationen für das "Profiling" verwenden. Andere hingegen analysieren genauer und versenden zusätzlich noch eine Fragenliste oder besuchen die Unternehmen vor Ort, um sich ein besseres Gesamtbild machen zu können. Den einzig wahren Ansatz gibt es nicht. Man sollte sich also vorab genauestens informieren, nach welchen Kriterien die Ratingagentur vorgeht bzw. das jeweilige Anlageprodukt selektiert wird. Anleger müssen dann entscheiden, ob die Kriterien in das gewünschte Gesamtbild passen, oder ob eine andere Ratingagentur geeigneter wäre.

FinAnKo
Hinter diesem Begriff verbirgt sich die Richtlinie der österreichischen Bischofskonferenz. Dabei wurden die Themen der Nachhaltigkeit genauestens abgesteckt und dennoch ergeben sich zwischen den Ratingagenturen unterschiedliche Universen, die für eine Zusammenstellung verwendet werden können. Und das, obwohl zumindest die Kriterien genauestens festgelegt sind. Verwunderlich ist dies dennoch nicht, da - wie schon beschrieben - die Methodik bei der Selektion eine andere sein kann.


Die verschiedenen Vorgehensweisen bei der Überprüfung eines Unternehmens liefern in der Regel auch unterschiedliche Ergebnisse. Man kann sich jedoch sicher sein, dass Unternehmen, die gegen die definierten Ausschlusskriterien (siehe obige Grafik) verstoßen, es auch tatsächlich nicht ins Portfolio schaffen. Ein Beispiel hierfür sind Zigarettenhersteller, die zweifelsohne gegen das Tabakkriterium ethischer Veranlagungen verstoßen.


Doch wie sieht es in diesem Zusammenhang beispielsweise mit Tankstellen aus? Auch an Tankstellen werden Zigaretten verkauft. Ist also lediglich die Herstellung ein Ausschlusskriterium oder auch der Handel damit? In der Regel kommt es bei diesem Beispiel darauf an, welchen Prozentsatz der Zigarettenhandel am Gesamtumsatz ausmacht. Da der Tabakwarenverkauf bei einem großen Tankstellenbetreiber in der Regel nicht Hauptreiber des Umsatzes ist, verbleiben diese Unternehmen im Selektionsprozess und werden nicht ausgesiebt.

Schwierig zu bewertende Branchen
Auf keine große Gegenliebe stoßen Unternehmen der Öl- und Gasbranche bei nachhaltigen Investoren, doch diese werden zur Überraschung vieler Anleger tatsächlich berücksichtigt. Dies liegt daran, dass es ohne die Aktivitäten besagter Unternehmen zu einem plötzlichen Stillstand auf der Erde kommen würde. Der Mensch hat sich in Sachen Öl in ein Abhängigkeitsverhältnis begeben, von dem er nur sehr schwer loskommt. Es wird Jahrzehnte dauern bis andere Formen der Energiegewinnung das schwarze Gold gänzlich ersetzen können. In diesen Jahren wird die Menschheit auch weiterhin Öl verbrauchen.


Sollte man die Branche ausschließen? Vermutlich nicht, denn dann würden die Unternehmen gänzlich ohne aktives Einwirken des nachhaltige Kapitalmarktsegments agieren können. Zudem löst das Best-in-Class-Verfahren einen Wettbewerb unter den teilnehmenden Unternehmen aus. Das heißt, dass die Unternehmen nicht nur den Kriterien der Ratingagentur genügen müssen, sondern zudem noch besser sein müssen als die Mitbewerber. Ein Wettkampf um eine Investorengruppe, die zunehmend größer und damit einflussreicher wird.

ESG-Anleger: Zusammen sind wir mehr

Quelle: Sustainable Business Institute (SBI) - Die Daten beziehen sich auf die Gesamtvolumina der Fonds und die Performance der auf der Plattform www.nachhaltiges-investment.org porträtierten Fonds.

Großes Potenzial
Die Europäische Union möchte das Thema Nachhaltigkeit weiter vorantreiben und wird bestrebt sein, über die nächsten Jahre einheitliche Richtlinien zu schaffen. Zentrales Element eines Aktionsplans ist der Begriff Nachhaltiges Finanzwesen ("Sustainable Finance"). Dieser Plan bezieht sich in der Regel auf die Berücksichtigung umweltbezogener und sozialer Erwägungen (sogenannter "ESG-Faktoren") bei Investitionsentscheidungen, was zu mehr Investitionen in längerfristige und nachhaltige Aktivitäten führen soll. Doch zunächst muss man sich auf eine einheitliche Regelung einigen.


Der bisherige Stand der Arbeit auf EU-Ebene fokussiert auf das Thema Ökologie und hierbei insbesondere auf Klimaschutz, wogegen - so Kritiker - die soziale Dimension weitgehend unbeachtet bleibt. Wie bereits ausgeführt, gibt es derzeit kein einheitliches Regelwerk darüber, wie ein nachhaltiges Investment beschaffen sein muss, damit es sich diesen Titel auch verdient hat. Diese Richtlinien werden stetig weiter vorangetrieben. In den nächsten Fassungen soll das Thema ESG auf eine neue Stufe gehoben werden. Der Boom bei ESG-Veranlagungen scheint damit erst am Anfang zu stehen.


Im Aktionsplan der Europäischen Kommission wurden folgende Ziele statuiert:

  • Die Kapitalflüsse auf nachhaltige Investitionen umlenken, um ein nachhaltiges und integratives Wachstum zu erreichen,
  • finanzielle Risiken, die sich aus dem Klimawandel, der Ressourcenknappheit, der Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben, bewältigen und
  • Transparenz und Langfristigkeit in der Finanz- und Wirtschaftstätigkeit fördern.

Transparente Unternehmen
Transparenz ist ein gutes Stichwort: Wie viel davon gewähren Unternehmen wirklich und über welche Ressourcen verfügt ein Unternehmen, um den Ansprüchen gerecht zu werden? Große Konzerne haben mittlerweile eigene Abteilungen aufgebaut und unternehmen ungemeine Anstrengungen in dieser Hinsicht. Ein großes Energieunternehmen kann damit bei einer Untersuchung theoretisch besser abschneiden als ein Solarunternehmen, das aus Kapazitätsgründen unter Umständen nur wenige ESG-Daten bereitstellt. Jedoch spielt hier auch grundsätzlich die Branche bzw. das Betätigungsfeld eine gewichtige Rolle. Dennoch zeigt der Aufwand, den Unternehmen mittlerweile betreiben, um ethischen Kriterien zu entsprechen, dass "Sustainable Finance" etwas bewegt hat.


Nachhaltige Rendite mit gutem Gewissen
Es existiert eine Vielzahl von Studien, die sich der Performance nachhaltiger Anlagen widmen. Besonders anschaulich ist eine sogenannte Metastudie (also eine Studie über Studien) der Universität Hamburg, die insgesamt über 2.000 Untersuchungen von den frühen 1970er-Jahren bis 2015 auswertet. Die Resultate in Kurzform: Weniger als 10% der Studien attestieren nachhaltigen Investments einen Performancenachteil. Auf der anderen Seite weisen rund 47,9% der sogenannten "Vote-count Studies" und 62,6% der "Meta-Studies" eine Outperformance nach. Der Rest sind neutrale und gemischte Resultate.


Nachhaltiger Ansatz in der Schoellerbank
Für die Kunden der Schoellerbank wurden spezielle Rating-Methoden entwickelt, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Dabei bleibt festzuhalten, dass auch bei der hauseigenen Analysemethodik (Aktien-, Anleihen- und FondsRating) bestimmte Geschäftsmodelle ausgeschlossen werden. Meist handelt es sich dabei um Unternehmen, die ihrer Umwelt langfristig mehr Schaden als Nutzen zufügen. So gesehen, kann das Schoellerbank Rating als ein erster Filter im Bereich der Nachhaltigkeit gesehen werden. Für ein lupenreines Investment sorgen zusätzlich beauftragte Nachhaltigkeitsagenturen, welche die Portfolios der Schoellerbank für ethische Investoren auf Herz und Nieren prüfen.

Fazit:
Viele soziale Entwicklungen zeigen, dass die Menschen zunehmend an ökologischer Nachhaltigkeit interessiert sind. Dieser grüne Gedanke wird sich vermutlich in den nächsten Jahren auch vermehrt im Veranlagungsverhalten widerspiegeln. Die Schoellerbank beschäftigt sich bereits seit 2003 mit nachhaltigen Veranlagungen und zählt damit zu den Pionieren am österreichischen Markt. Die Nachfrage hat in den vergangenen Jahren nochmal deutlich zugelegt - teilweise mit zweistelligen Wachstumsraten bei den Veranlagungen. Auch wenn die Entwicklung der Anlageprodukte selbst immer weiter perfektioniert wird, wäre eine Standardisierung der ESG-Kriterien nur zu begrüßen. Dieses Ziel scheint nicht mehr allzu fern. Die EU steht kurz davor die ESG-Kriterien detailliert festzulegen und möglicherweise in der Zukunft sogar eine allgemeingültige Richtlinie dazu auszuarbeiten. Damit würde diesem Segment voraussichtlich endgültig der Sprung aus der Nische gelingen.




Autor:
Alexander Adrian, Diplom-Betriebswirt (FH), CPM
Fondsmanager, Special Advisor
Schoellerbank Invest AG
Tel. +43/662/885511-2691
alexander.adrian@schoellerbank.at


Rückfragen bitte auch an:
Marcus Hirschvogl, BA
Pressesprecher
Schoellerbank AG
Tel. +43/1/534 71-2950
1010 Wien, Renngasse 3
marcus.hirschvogl@schoellerbank.at

Die Schoellerbank, gegründet 1833, ist eine der führenden Privatbanken Österreichs, die als Spezialist für anspruchsvolle Vermögensanlage gilt. Sie konzentriert sich auf die Kernkompetenzen Vermögensanlageberatung, Vermögensverwaltung und Vorsorgemanagement. Ihre Anlagephilosophie definiert sich über das Motto "Investieren statt Spekulieren". Die Schoellerbank ist mit 10 Standorten und 370 Mitarbeitern die einzige österreichweit vertretene Privatbank. Sie verwaltet für private und institutionelle Anleger ein Vermögen von rund 12 Milliarden Euro. Die Schoellerbank ist eine 100%ige Tochter der UniCredit Bank Austria.
Mehr Informationen unter: www.schoellerbank.at
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