Börsen-Rallye: Welches Potenzial steckt in der nächsten Etappe? Schoellerbank Analysebrief Nr. 388

Die Aktienmärkte erholten sich dank der umfangreichen Stützungsmaßnahmen von Staaten und Notenbanken seit Beginn der Corona-Krise so rasch wie nie zuvor und markieren teilweise neue Allzeithöchststände. Vor allem die Schwergewichte im NASDAQ 100, dem wichtigsten Technologieindex der Welt, haben massiv dazu beigetragen, die Börsenkurse zu beflügeln. Der eine oder andere Wert wurde jedoch mit üppigen Vorschusslorbeeren bedacht, die es sich in den nächsten Monaten erst zu verdienen gilt. Welches Potenzial steckt in der nächsten Etappe dieser Börsen-Rallye?
Im Branchenvergleich ist die Technologiebranche bisher jedenfalls ausgezeichnet durch die Krise gekommen. Etwas überraschend finden sich auf dem zweiten Platz die Unternehmen aus dem Bereich der Nicht-Basiskonsumgüter. Wenig überraschend ist hingegen, dass die Branche Energie bisher die größten Verluste im aktuellen Krisen-Umfeld zu verzeichnen hatte. Der niedrige Ölpreis liefert den Energieunternehmen zweifelsohne kein optimales Umfeld, um Gewinne einzufahren.
Das zeigt sich auch an der Auswertung der Schoellerbank Anlageexperten, in der die prognostizierten Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Branchen für die nächsten vier Quartale aufgelistet sind. Hier lässt sich feststellen, dass der Markt den Energieunternehmen derzeit nicht zutraut, im angegebenen Zeitraum entsprechende Gewinne zu realisieren. Mit etwas Sorge blickt man auch auf das prognostizierte Kurs-Gewinn-Verhältnis der Unternehmen im Bereich der Nicht-Basiskonsumgüter, der Industrie, aber auch der Informationstechnologie. Bei Letzteren setzt man große Hoffnungen in neue Themen wie zum Beispiel künstliche Intelligenz oder autonomes Fahren. Das mit den Vorschusslorbeeren zeigt sich auch gut am zehnjährigen Durchschnitt der prognostizierten Kurs-Gewinn-Verhältnisse der US-Indizes, die deutlich unter den aktuellen Kennzahlen liegen.
Den aktuellen Shootingstars Gold, Kryptowährungen oder einzelnen Unternehmen aus der IT-Branche ist mit herkömmlichen bzw. rationalen Bewertungsmethoden nicht Herr zu werden. Sicherlich lässt sich mit diesen Anlageformen Geld verdienen, aber nur wenn man als Anleger gewillt ist, hohe Volatilitäten in Kauf zu nehmen. Neben den notwendigen Nerven aus Stahl kommt es zudem auf den Timing-Faktor an, um tatsächlich erfolgreich zu sein. Da bei diesen Anlageformen traditionelle Bewertungsmodelle nur bedingt sinnvoll sind, ist es überaus schwierig, den richtigen Ein- bzw. Ausstieg zu eruieren.
Engagements auf dem Aktienmarkt sind aktuell also durchaus mit einer gewissen Portion Vorsicht zu genießen. Die Schoellerbank trägt diesem Umstand Rechnung, indem man mit moderater Gangart bzw. mit einer neutralen Aktiengewichtung agiert. Mittel- und langfristige Aktieninvestments sind im Nullzinsumfeld weiterhin alternativlos. Zudem besagt eine alte Börsenweisheit: "Never fight the Fed." Das bedeutet: Solange die Geldschleusen der Notenbanken geöffnet sind, sollte man sich nicht dagegenstellen, indem man dem Aktienmarkt komplett den Rücken kehrt. Jedoch ist aus antizyklischer Sicht allmählich Vorsicht geboten. Denn irgendwann ist all das Geld investiert, und wenn dann Anschlusskäufe ausbleiben, geht die Rallye in eine lange Durststrecke über.
Noch scheint es aber genügend freie Liquidität zu geben, die an der Seitenlinie für Aktienkäufe parat steht - wenig verwunderlich, da Sparbuch und Co bei den Investoren nicht gerade hoch im Kurs stehen. Damit könnte die Rallye auf den Aktienmärkten tatsächlich weitergehen, wenn auch vermutlich mit nachlassender Dynamik und höheren Volatilitäten. Darüber hinaus ist eine Branchenrotation denkbar, was defensive Unternehmen beflügeln könnte. Zudem dürften auch wieder Value-Werte ins Blickfeld der Investoren rücken, da diese gegenüber den Growth-Aktien mit günstigeren Bewertungsniveaus locken. Ein ausgewogener Mix aus Aktien und Anleihen dürfte jedenfalls auch in Zukunft das Mittel der Wahl für eine erfolgreiche und nervenschonende Veranlagung sein.

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