Weltleitwährung US-Dollar im Sinkflug: Was wird aus dem Greenback? Schoellerbank Analysebrief Nr. 389

Der US-Dollar hat sich in vielen vergangenen Krisen als sicherer Hafen bewährt, doch seit einigen Monaten verliert er deutlich gegenüber anderen wichtigen globalen Währungen - vor allem gegenüber dem Euro. Die Gründe für die aktuelle Schwäche des US-Dollars sind insbesondere das Krisenmanagement in den USA betreffend die Corona-Pandemie und die sehr expansive Geldpolitik der US-Notenbank. Der Euro wiederum ist nach der politischen Einigung zum Corona-Wiederaufbaufonds die Währung der Stunde. Was wird also aus dem Greenback?
So manche Ökonomen sehen die europäische Gemeinschaftswährung auf dem Weg zur neuen Leitwährung. Doch weder der Euro noch der chinesische Yuan haben aktuell die Möglichkeit, den US-Dollar als Reservewährung abzulösen. Noch immer ist der US-Dollar die mit Abstand wichtigste Währung der Welt. Zentral- und Geschäftsbanken vertrauen der Leitwährung und verwenden den Dollar für internationale Transaktionen, als Reservewährung und für Investitionen. Zudem wird auch ein Großteil der Rohstoffe, wie Öl, Kupfer oder Gold, in Dollar gehandelt. Ein unmittelbarer Nachfolger für eine Versorgung mit einer global beherrschenden Reservewährung ist nicht auszumachen.
In China müsste die Wirtschaft erst in einem langen politischen Prozess reformiert werden, um einen freien Kapitalverkehr zu ermöglichen. Und der Euro kann diese Rolle genauso nicht übernehmen, solange die Eurozone auf exportorientiertes Wachstum und die entsprechende Ausfuhr von Kapital angewiesen ist. Auch wenn das US-Dollar-Momentum sehr negativ ist und für eine weitere Abschwächung spricht, befindet sich die Weltleitwährung historisch gesehen voll auf Kurs. Den Greenback sollte man jedenfalls nicht vorzeitig abschreiben.
Aus Sicht der Schoellerbank Anlageexperten beinhaltet ein ausgewogenes Portfolio weiterhin einen prominenten Anteil an US-Titeln. Auf kurze Sicht können Renditen stark von schwankenden Währungskursen beeinflusst werden, doch langfristig gleicht sich dieser Effekt erfahrungsgemäß weitgehend aus. Zusätzlich erzielen Anleger eine sinnvolle Risikostreuung, wenn sie länder- und regionenübergreifend investieren. Auf diese Weise sind Portfolios weniger abhängig von der Entwicklung einzelner Regionen oder Währungsräume.

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