Kapitalmarktausblick - 2. Quartal 2018

  • Aktien: Stürmische Zeiten
  • Anleihen: Zinsen im Aufwind
  • Währungen: Abnehmender Gegenwind

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Schoellerbank Kapitalmarktausblick 2. Quartal 2018145 KB

"Es ist verrückt, das zu riskieren, was du hast, um etwas zu erwerben, was du nicht brauchst."1)


Das Warren Buffett Zitat bringt auf den Punkt, worauf es bei der langfristigen Vermögensanlage ankommt. Die Leistung von Vermögensverwaltern wird über immer kürzere Zeiträume gemessen und verglichen. Dieser Performancedruck führt dazu, dass Risiken genommen werden, die kurzfristig einen Vorteil schaffen sollen, um etwas zu erreichen, das die Kunden nicht brauchen. Doch langfristig wird riskiert, was bereits erreicht wurde.


In der Schoellerbank sind wir nicht bereit, unsere Qualitätsstandards dem kurzfristigen Renditerennen unterzuordnen. Ruhige Zeiten verleiten dazu, höhere Risiken einzugehen. Anleger extrapolieren dabei die Erfahrungen der letzten Monate und Quartale für Jahre in die Zukunft.


In den letzten Wochen, als der monatelange Aufwärtstrend an den Börsen jäh beendet wurde, zeigte sich, dass diese Vorgangsweise unzulässig ist.

1) "… it is insane to risk what you have and need in order to obtain what you don’t need." Berkshire Hathaway, Warren Buffett, Shareholder Letter 2017.

Auf der Suche nach Qualität zu fairen Preisen

So mancher Anleger war erschrocken über die hohen Kursausschläge. Nüchtern betrachtet war die vorangegangene Ruhe das ungewöhnliche Ereignis und nicht die Rückkehr der Volatilität. Unsere Prognose ist klar und wenig überraschend: Aktionäre werden auch künftig mit Preisschwankungen leben müssen.


Außerdem mindert nur eine langfristige Qualitätsausrichtung die risikoreiche Wahrnehmung dieser Schwankungen. Wer langfristig auf Qualität setzt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit eine positive Rendite erzielen, selbst wenn der Einstiegszeitpunkt ungünstig war. Kurzfristig ist das Ergebnis im Anlagebereich vor allem durch den Zufall bestimmt. Deshalb gibt es auch von der Schoellerbank die Empfehlung, mit einem Horizont von mindestens fünf oder sogar zehn Jahren zu investieren.


Zusätzlich sind Kursrückgänge der Freund des langfristigen Investors. Denn nur dann können Investitionschancen zu tieferen Preisen wahrgenommen werden. Je langfristiger der Horizont, desto erfreulicher also die Schwankungen. Allerdings auch nur für denjenigen, der Rückschläge für Käufe zu nutzen bereit ist.


Aber wie ist das Umfeld für Aktien, Anleihen und Währungen? Chancenreich sonnig oder doch voller Fallstricke im Nebel?


Auf der Aktienseite sind wir immer auf der Suche nach Qualität zu fairen Preisen. Das Umfeld ist in den letzten Monaten durchaus interessanter geworden. Gerade in den defensiven Sektoren Gesundheit und Basiskonsum finden sich wieder interessante Titel mit Abschlägen zu unserer Schätzung des fairen Wertes.

Kursrückgänge für Käufe nutzen

Nach wie vor halten wir eine neutrale Positionierung bei Aktien für angemessen - über alle Sektoren und Regionen hinweg. Im März 2017 haben wir uns für eine Reduktion der Aktienquote entschlossen - nach fünf Jahren "Übergewichtet" oder "Stark Übergewichtet". Sollte es zu einem stärkeren Kursrückgang kommen, werden wir unsere Bleistifte spitzen, um potenzielle Kauforders zu unterzeichnen. Allerdings müssen zwei Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Anlegerstimmung schwächt sich weiter ab und ist idealerweise negativ - eine gute Voraussetzung für eine Bodenbildung.
  • Die Aktienkurse handeln mit signifikanten Abschlägen zu unseren Schätzungen des fairen Wertes - historisch ein ausgezeichneter Indikator für attraktive zukünftige Renditen.

International investieren

Auch Anleihen finden wir heute in einem anderen Umfeld als noch vor einem halben Jahr. Vor allem in den USA marschierten die Zinsen zügig nach oben. Fünfjährige US-Staatsanleihen sind mit aktuell 2,6% immerhin auf dem höchsten Renditestand seit dem Jahr 2010. Noch beeindruckender ist die Zinsdifferenz zu Europa. Speziell im Vergleich zu Deutschland liegen wir im fünfjährigen Bereich im US-Dollar 2,7%-Punkte höher als im Euro - das ist Rekordniveau.2)


Europa hinkt mit der Zinsentwicklung und Notenbankaktivität den Vereinigten Staaten hinterher. Trotz wirtschaftlicher Beschleunigung scheint Inflation kein Thema zu sein. Doch seit Mitte 2017 klettert die Inflationserwartung auch in Europa stetig nach oben. Wir empfehlen in diesem Umfeld weiterhin eine kräftige Dosis an inflationsgeschützten Anleihen mit längeren Laufzeiten. Anders bei konventionellen Anleihen, wo wir mit vierjähriger Restlaufzeit eher kurz bleiben.


Herausfordernd bleiben Fremdwährungsanleihen. Mit der Reduktion der Aktienquote im März 2017 haben wir in reinen Anleiheportfolios die Fremdwährungsquote von 15% auf 10% verringert. Auch in den gemischten Mandaten reduzierten wir das Währungsrisiko. Trotzdem blieb jegliche Position außerhalb des Euros eine Belastung. Wir empfehlen dennoch eine internationale Ausrichtung bei Aktien und auch eine Beimischung von Fremdwährungen bei Anleihen.


Währungsmärkte sind keine Einbahnstraße, daher erwarten wir keine Fortsetzung der dominanten Stärke des Euros. Allerdings haben wir zu Ende des Quartals die Position des US-Dollars etwas reduziert und empfehlen eine noch breitere Diversifikation in unseren Fremdwährungsmandaten. In diesem Sinne haben wir auch wieder den Chinesischen Renminbi aufgenommen - erstmals als Direktinvestment - und evaluieren weitere Aufstockungen.

2) Bloomberg liefert Daten zurück bis 1990. Seit damals war die Differenz nie höher.

Gut vorbereitet auf volatilere Zeiten

Gegen Ende des ersten Quartals erreichte der MSCI Weltaktienindex in Euro wieder dasselbe Niveau wie zum Zeitpunkt unserer Aktienreduktion des Vorjahrs. In Kombination mit unserem konservativen Anleiheportfolio sind wir auf der Suche nach attraktiven Chancen. Diese bieten sich oft in einem Umfeld der Verunsicherung. In den letzten Wochen war diese Verunsicherung erstmals seit Langem wieder spürbar. Auch wenn der Gesamtmarkt über das Jahr wenig verändert ist, bieten einzelne Sektoren und Titel durchaus wieder attraktive Einstiegspreise.


Wir warnen weiterhin vor Investitionen in hochverzinste Anleihen ("High Yield"). Diese Bezeichnung ist nicht einmal mehr zeitgemäß, da von keiner hohen Verzinsung angesichts des eingegangenen Kreditrisikos gesprochen werden kann. Auch klassische EUR-Unternehmensanleihen im Investmentgrade-Segment sind mittlerweile so teuer, dass sich Engagements kaum lohnen.

Robert Karas, CFA
Chief Investment Officer
Schoellerbank AG
robert.karas@schoellerbank.at


Hinweis: Schoellerbank AG, Stand März 2018

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