Schoellerbank Investment Komitee-Sitzung - Protokoll 20. März 2020

Markteinschätzung Schoellerbank Asset Management (Stand 20.03.2020)

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AssetklasseGewichtung VV*Positionierung
Geldmarkt Keine GewichtungSeit September 2013 keine aktive Gewichtung.
Unternehmens-
anleihen
NeutralAngesichts der Zinswende und des Niedrigzinsumfeldes positionieren wir uns mit vorsichtig kurzer Restlaufzeit von unter vier Jahren. Bei der Schuldnerauswahl setzen wir auf Qualität.
Inflationsgeschützte
Anleihen
Stark ÜbergewichtetInflationserwartungen liegen trotz Notenbank-Interventionen seit Jahren viel zu niedrig. Wir setzen auf eine Normalisierung und profitieren mit Inflationsanleihen von einem Puffer gegen steigende Zinsen. Den Schwerpunkt der Strategie bilden Staatsanleihen aus Kerneuropa.
Sonstige
Anleihen
Stark Untergewichtet Strukturierte Zinsprodukte sind "Stark Untergewichtet". Das Niedrigzinsumfeld erschwert es, in diesem Segment neue Produkte mit Kapitalgarantie aufzulegen. Wir wollen aber im Anleihensegment keine Kapitalrisiken eingehen.
Fremdwährungs-
anleihen
Übergewichtet Breite Streuung über die G-10-Währungen. Neben einer US-Dollar-Gewichtung von gut 25% folgt eine breite Palette an Währungen mit etwa 10%-Gewichtung. Zuletzt wurde im Oktober 2019 auch der japanische Yen auf dieses Niveau angehoben.Das Britische Pfund wurde im Dezember weiter reduziert.
AktienNeutral Die Schoellerbank hat die Aktienquote Ende September 2019 auf „Neutral“ reduziert. Wir nutzten den richtungslosen Handel, um einen Teil der Gewinne aus 2019 mitzunehmen. Die internationalen Aktienmärkte sind in raueres Fahrwasser geraten, doch mit Qualitätstiteln sehen wir uns dafür gut gerüstet. Im Jänner 2020 haben wir die Gewinne der vorangegangenen 3 Monate mitgenommen und die Quote im Rahmen eines Rebalancing erneut auf „Neutral“ zurückgefahren. Die regionale Allokation wurde nicht verändert. Wir setzen weiterhin auf eine deutliche Übergewichtung der asiatischen Märkte während wir US-Aktien weniger stark gewichten als in der Benchmark..
   
*) Schoellerbank Vermögensverwaltungen

AKTIEN

Die Volatilität an den Aktienmärkten hielt in der vergangenen Handelswoche ausgelöst durch den Ölpreis-schock und allen voran aufgrund des Covid-19 Virus an. Die Zentralbanken haben weiterhin enorme Stimulus Pakete auf den Weg gebracht. Hier ein kurzer Überblick über die wichtigsten Maßnahmen und Events der vergangenen Woche:

  • FED: Die Federal Reserve hat nun 2-mal Zinssenkungen durchgeführt und die Zinsen um insgesamt 150 Basispunkten gesenkt. Darüber hinaus wurden enorme Stimulus Pakte auf den Weg gebracht, die den Finanzmarkt stabilisieren sollen.

  • EZB: Die EZB hat ebenso wie die FED enorme Stimulus Pakte verabschiedet und hat mit dem TLTRO3 enorme Gelder zur Verfügung gestellt und insbesondere mit dem neuen Anleihekaufprogramm über 750 Mrd. Euro auf den Weg gebracht

  • Viele andere Notenbanken haben ähnliche Pakete auf den Weg gebracht und haben so den Markt gestützt.

Auf der Fiskalseite wurden viele Staaten ebenso aktiv, ohne jetzt auf die Details der einzelnen Pakete einzugehen fällt auf, dass diese etwas verhalten starteten, allerdings nach und nach aufgestockt wurden und derzeit weltweit mit mehr als 2.000 Mrd. USD beziffert werden können, was historisch gesehen einer enormen Summe entspricht. Die gesetzten Maßnahmen sind darauf ausgelegt, dass die Unternehmen in den jeweiligen Ländern geschützt werden, dies soll ins-besondere für die KMUs gelten die von den Restriktionen mit Abstand am Stärksten betroffen sind.


Ob all die Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft erfolgreich sein werden wird uns nur die Zeit lehren, was allerdings sicher ist, ist dass die Regierungen enorme Kräfte und Geldmengen bereitstellen, um die Unternehmen so gut es geht zu unterstützen. Aufgrund der Umsatzausfälle vieler Unternehmen und insbesondere in ganzen Branchen wie der Gastronomie, dem Handel, der Hotellerie, dem Transport oder dem Tourismus muss man davon ausgehen, dass gerade hier viele Unternehmen massiv leiden werden und teilweise auch Insolvenz anmelden müssen. Dies wird zu einem beachtlichen Teil Unternehmen im KMU Bereich treffen, allerdings auch vor börsennotierten Unternehmen nicht Halt machen. Insbesondere der zyklische Handel, Flugtransport, Erdölunternehmen als auch diverse Industrieunternehmen stehen hier im Zentrum der Sorge. Die Banken haben in den vergangenen Wochen ebenso enorme Einbrüche ihrer Börsenkurse beobachtet, jedoch muss betont werden, dass die derzeitige Krise sich recht deutlich von jener 2008 unterscheidet in der die Banken wesentlich schlechter kapitalisiert waren und daher denkbar schlecht für eine Krise gerüstet waren.


In den kommenden Wochen muss vermehrt damit gerechnet werden, dass Unternehmen die Erwartungen zurückschrauben und Gewinnwarnungen herausgeben werden. Darüber hinaus bleiben für viele Unternehmen auch aufgrund der unabschätzbaren Dauer des derzeitigen Shut-Downs die tatsächlichen Auswirkungen noch im Dunkeln.
Nichtsdestotrotz sind bereits viele negative Auswirkungen in die Aktienkurse eingepreist, denn die Märkte haben wie in der Aufstellung unten ersichtlich teilweise massive Verluste hinnehmen müssen. Zuweilen regierten heftige Kursausschläge in beide Richtungen und auf einen Tag mit einem Kursplus von 10% folgte ein Tag mit einem Minus von mehr als 10%.

AKTIENINDIZES PER SEIT JAHRESBEGINN PER 19.03.2020 IN EURO.

  • S&P 500 Index: -22,23%

  • Stoxx 600 Index: -30,92%

  • TOPIX Index: -22,25%

  • MSCI EM Index: -27,82%

Diese volatilen Zustände an den Börsen lassen sich auch anhand einer Reihe von Indikatoren ablesen, hier möchte ich nur den VIX aufzeigen, der teilweise höher lag als zu Zeiten der Finanzkrise 2008.


Die vorherrschende Stimmung lässt darauf schließen, dass die Kurse bis zu einem gewissen Grad überreagieren, und da uns die Situation in Asien lehrt, dass es ein Leben nach Corona geben wird, gehen wir von einer relativ raschen Erholung der Realwirtschaft post-Corona aus. Aus diesem Grund werden die Börsen relativ wahrscheinlich sogar noch schneller auf diese Situation reagieren und aus der derzeitigen Angst kann sich sehr bald eine positivere Grundstimmung bilden. Wir möchten auf der anderen Seite die derzeitigen Risiken nicht ignorieren und weiterhin festhalten, dass viele Neben- und Folgeeffekte der Coronakrise insbesondere auf die Realwirtschaft noch unabsehbar bleiben. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass die Coronakrise in Europa und den USA wesentlich länger anhält als sie dies in Asien tut. Darüber hinaus kann man zum derzeitigen Zeitpunkt auch noch keine zweite Welle einer Infektion ausschließen, welche eventuell im Herbst über die Welt hereinbrechen könnte. Dennoch, derzeit wirkt die Lage an den Märkten wie eine panikgetriebene Übertreibung, daher schätzen wir die Aktienkurse derzeit relativ gesehen als billig ein.

Fazit Aktien

Um die neutrale Gewichtung der Aktien wieder herzustellen wird ein Rebalancing der Aktiengewichtung zur Neutralgewichtung durchgeführt. Wir kaufen dabei Titel guter Qualität in Europa und den USA. Diese Aufstockung wird in der kommenden Woche durchgeführt.

ANLEIHEN

  • Nachdem letzte Woche die amerikanische FED eine Liquiditätsspritze in Höhe von 1500 Mrd. USD angekündigt hatte, wurden am darauffolgenden Sonntag der Leitzinssatz erneut gesenkt, auf 0-0,25%. Zusätzlich wurden Anleihen-Käufe in Höhe von mind. USD 500Mrd. in Staatsanleihen und USD 200Mrd. in Hypothekenpapieren angekündigt. Der amerikanische Finanzminister legte dann am Dienstag nochmals nach, indem er ein umfangreiches Hilfsprogramm für die USA angekündigt hat. Dies beinhaltet, den Arbeitnehmern den Verdienstentgang für zwei Wochen zu ersetzten, weil sie wegen des Coronarvirus zu Hause bleiben müssen. Auch Sozialversicherungsbeiträge werden gesenkt. Kleinere und mittlere Betriebe sollen Liquidität in Höhe von USD 250 Mrd. bekommen, besonders betroffene Branchen erhalten finanzielle Unterstützung und fällige Steuerzahlungen werden nach hinten verschoben. Mit den angekündigten Maßnahmen würde jedoch das Defizit der USA nach Schätzungen der Commerzbank auf über 8% in den Jahren 2020 und 2021 steigen und die Verschuldung damit über 100% der Wirtschaftsleistung liegen. Als Reaktion auf die angekündigten Maßnahmen stiegen die Renditen 10-jährigen Staatsanleihen auf aktuell rund 1% an.

  • Auch in der Eurozone standen die angekündigten Maßnahmen zur Eingrenzung der Corona-Schäden im Mittelpunkt des Interesses. Die Euro Finanzminister beschlossen die Regeln des Wachstums- und Stabilitätspakts außer Kraft zu setzen. Droht ein Land vom Kapitalmarkt abgeschnitten zu werden, springen ESM und EZB ein. Die Aufweichung der Schulden und der Defizitgrenze übte dann nochmals mehr Druck, auf die ohne hin schon stark gefallenen Anleihekurse der Peripherie, insbesondere Italien und Griechenland, aus. Erst die Ankündigung der EZB in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, das EUR 750 Mio. schwere "Pandemic Emergency Purchasse Programme" (PEPP) einzuführen, lies die stark angestiegenen Risikoaufschläge wieder zurückkommen. Gekauft werden können alle Papiere, die bis dato auch schon gekauft werden konnten. Zusätzlich werden auch griechische Staatsanleihen und Non Financial Commercial Paper, also kurzfristige Schuldverschreibungen von Unternehmen, gekauft. Selbstauferlegte Ziele aus dem Anleihekaufprogramm stehen zur Disposition. Dies könnte die Aufweichung der 33% Beschränkung bei Käufen von Staatsanleihen bedeuten oder auch eine größere Abweichung vom Kapitalschlüssel der EZB heißen, sodass Anleihen besonders betroffener Länder stärker gekauft werden können.

  • Ebenfalls stark unter Abwärtsdruck waren letzte Woche auch wieder die Kurse von Unternehmensanleihen aus dem IG Grade Bereich und vor allem auch aus dem High Yield Segment. Nicht nur der generelle Anstieg der Renditen machte dem Segment zu schaffen, sondern auch die weitere Ausweitung der Risikoaufschläge. Die Entwicklung erinnert sehr stark an die Finanzmarktkrise 2008/2009, währen der es ebenfalls massive Liquiditätsengpässe gab. Aber auch hier konnten die Maßnahmen der EZB für etwas Entspannung sorgen. Wir rechnen aber damit, dass einige Unternehmen trotzdem den Gang zum Konkursrichter antreten müssen. Als erstes Opfer der Coronarkrise sitzt sich die deutsche Restaurantkette Vapiano, die letzte Woche Zahlungsunfähigkeit anmeldete und nun auf Staatshilfe hofft.

Fazit Anleihen

Unsere aktuell sehr konservative und kürzere Laufzeiten-Positionierung hilft uns im aktuellen Umfeld. Obwohl es bei den sicheren Anleihen durch den raschen Renditenanstieg zu Kursverlusten kam, konnten wir gegenüber der Benchmark zugewinnen. Auch die hohe Cashpositionierung hat uns in der letzten Woche sehr geholfen. Die qualitative Auswahl, gerade im Segment der Unternehmensanleihen, wird auch in den kommenden Quartalen der Schlüssel zum Erfolg sein, nur bonitätsstarke Unternehmen können dem Anleger ruhige Nachtruhe bieten.

WÄHRUNGEN

  • Der Coronarvirus hat auch die Währungsmärkte fest im Griff. Der stärkste Profiteur in der abgelaufenen Woche war der amerikanische USD, der gegenüber dem Euro um 3,92% zulegen konnte. Die starke Zunahme der Erkrankungen in den Ländern der Eurozone und die damit verbundenen negativen wirtschaftlichen Auswirkungen ist ein Grund dafür. Das EUR 750 Mrd. Paket, das von der EZB geschnürt wurde und die angekündigten Ausweitungen der Staatsverschuldungen, um die Krise zu bewältigen ein anderer. Das letztgenannte Argument greift aber zu kurz, da auch in den USA eine massive Ausweitung der Staatsverschuldung angekündigt wurde. Fakt ist, dass viele amerikanische Investoren bei weltweiten Krisen ihr Geld verstärkt am Heimmarkt veranlagen, was wiederum den USD stärkt.

  • Leicht zulegen konnten auch die klassischen Sicherheitswährungen CHF (+0,21%) und der JPY (+0,82%). Wenig überraschend ist die Entwicklung der Norwegischen Krone: Mit einem Verlust von -10,53% ist sie der größte Verlierer der Woche. Die massiven Rückgänge des Ölpreises hinterlassen ihr Spuren beim großen Erdölexporteur, aber auch der staatliche Pensionsfonds, der bis vor kurzem noch einen Wert von EUR 800 Mrd. ausgewiesen hat und von den Öleinnahmen des Landes gespeist wird, ist von der negativen Kursentwicklung an den Aktienmärkte stark betroffen.

Fazit Währungen

Wir halten an unserer aktuellen Positionierung fest und nehmen keine Veränderung vor.



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